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Seit dem Jahr 2000 habe ich insgesamt 43 Jugendliche  mehr oder weniger lange betreut.

Diese Auswahl dokumentiert die Nachhaltigkeit meiner Arbeit, die weit über den normalen Rahmen der Jugendhilfe hinausgeht.

 

 

 

M. 15 Jahre alt, vom 31.10. 2000 bis 3.6. 2001 auf der Steenborg.

M. war der erste Jugendliche, den ich aufgenommen habe, Schule verweigert, 38 Straftaten.

Er hat über lange Zeit hinweg bei allen anfallenden Arbeiten auf dem Schiff wie z.B.

Schiff fest- und losmachen, Luken öffnen und schließen, Laderaum säubern,

Reparaturen in der Maschine, im Sanitär- und anderen Bereichen interessiert und

fleißig mitgearbeitet! Mein Schiffsbetriebstechnikerstudent, gelernter Schiffsmechaniker,

der bei mir zu dieser Zeit in den Semesterferien auf der Steenborg fuhr, war begeistert von den

Verbesserungsvorschlägen von M. im technischen Bereich. Schon nach kurzer Zeit

konnte M. Arbeiten selbständig ausführen und hatte viel Eigeninitiative entwickelt!

Deshalb bekam M. auch ein Seefahrtsbuch und übernahm für einige Monate die

Urlaubsvertretung eines langjährig auf der Steenborg angestellten Decksmannes.

Mit zunehmender Stabilisierung hat M. leider auch seine Stellung im Bordbetrieb der

der Steenborg  überschätzt. Seine  Arbeitsmoral ließ erheblich nach.

Nach einer Arbeitsverweigerung erfolgte die Beendigung der Bertreuung zur Folge. 

2005 bat mich M. um ein Arbeitszeugnis, welches er auch von mir bekam.

Einige Monate später fragte er mich, ob er wieder auf der Steenborg fahren könnte.

Ich vermittelte ihm einen Platz auf dem Küstenmotorschiff eines Kollegen. Leider

nutzte er dieses Angebot nicht. 

2006 folgte er der Einladung zu meiner Verleihung des Deichmannpreises in Kiel,                  

wo er auch MK, der schon mit ihm auf der Steenborg war, wieder traf.  

 

FS. 17 Jahre alt, vom 25.10. 2001 bis 31.1. 2002 auf der Steenborg. 

Er kam von der „Ursula B“ der Familie Busse aus Stralsund, die schon vor mir über Gangway

auf ihrem Küstenmotorschiff Jugendliche aus der Jugendhilfe betreut haben.

FS. war sehr motiviert konnte lange und ausdauernd arbeiten. Durch meine positive Beurteilung

wurde eine Strafe wegen bewaffneten Raubüberfalls zu Bewährung ausgesetzt.

Leider war das Jugendamt der Meinung, dass er noch schnell seinen Schulabschluss machen sollte,

da sein 18. Geburtstag näher rückte.

FS. hatte große Lernschwächen und war noch nicht stabil genug, um die Schule durchzustehen.

Meine dringende Empfehlung, ihn erst auf der Steenborg eine Ausbildung machen zu lassen,

wurde nicht gehört. Er begann einen erneuten Raubüberfall und musste ins Gefängnis.

Während seines Gefängnisaufenthaltes habe ich noch mal mit ihm telefoniert und ihm

angeboten, nach seiner Freilassung bei mir auf der Steenborg zu fahren. Leider hat er sich bei

nicht mehr gemeldet.

 

MP. 15 Jahre alt, Oktober 2002 auf der Steenborg.

Er kam von der Undine zu mir meine Aufgabe war den Grad seiner Drogenabhängigkeit festzustellen!

Trotz seiner hochgradigen Alkohol- und Drogenabhängigkeit zeigte er bei Arbeiten zum Tüv

an der Hauptmaschine großen Einsatz. Ich stellte ihm einen Ausbildungsplatz auf der Steenborg

in Aussicht, wenn er sich in Therapie begibt. Leider konnte er sich dazu nicht durchringen

und ist inzwischen zu meinem großen Bedauern an einer Überdosis Drogen verstorben.

 

MK. wurde vom 1.5.- 4.8 2001 und vom 3.5. 2005-30.9. 2006 auf der Steenborg betreut. 

MK war im Rahmen einer Jugendhilfemaßnahme, zur Überbrückung der Zeit bis zum

Antritt seiner Lehre auf einem Containerschiff, bei mir an Bord.

MK. zeichnete sich durch eine hohe Arbeitsmoral aus.

Deshalb bekam er auch vier Jahre später bei mir eine zweite Chance!

Er hatte 2004 ein halbes Jahr vor Ende seine Schiffsmechanikerlehre abgebrochen.

Über ein Jahr lang geriet MK immer weiter in die Drogenabhängigkeit, hatte Straftaten

begangen und war hoch verschuldet.

MK. bewährte sich, stellte seinen Drogenkonsum ein, bekam seine Seediensttauglichkeit

zurück und wurde von mir als Urlaubvertreter eingestellt.

MK. verrichtete alle anfallenden Arbeiten mit großem Einsatz, durch seine Kenntnisse

aus der Schiffsmechanikerlehre (schweißen etc.) konnte er viele kleine Reparaturen an der

Steenborg durchführen. Ich half MK. bei dem Abbau seiner Schulden und hielt ihn zum Sparen an.

Dieses ermöglichte ihm, im Herbst 2006, an der Fachhochschule Flensburg einen Lehrgang

zum Kapitän für nationale Fahrt AN zu belegen. Während dieses Lehrgangs holte ihn eine alte Straftat

wegen bewaffneten Raubüberfalls ein, er wurde verhaftet.

Auf Grund seiner Zeit auf der Steenborg und seiner positiven Sozialprognose wurde er

wieder frei gelassen, in einer späteren Verhandlung bekam er das milde Urteil von

300 Sozialstunden. Leider beendete MK. den Lehrgang nicht und fiel in alte Bahnen zurück.

Aktuell hat er eine Drogenentgiftung durchgeführt und sich zu einer Therapie angemeldet.

Seit dem 24. Sept. habe ich ihm einen langfristigen Arbeitsplatz auf einem kleinen Küstenmotorschiff vermitteln können.

 

SB. 15 Jahre  kam am 14.5. 2002 das erste mal auf die Steenborg. Nach 10 Tagen wechselte er zur Undine.

Als er im August von der Undine zurückkehrte, hatte er eine Menge gelernt und war sehr motiviert, Seemann zu werden.

Anschließend kam er nach Stralsund zur Familie Busse, um den Hauptschulabschluss zu machen. Zwischendurch  war

er wegen Alkoholproblemen wieder für einige Wochen auf der Steenborg, konnte dann aber einen recht guten

Hauptschulabschluss  machen!

Von Januar bis August 2004  machte SB. auf der Steenborg seine Ausbildung zum Wachbefähigten Decksmann.

Er machte seine Ausbildung engagiert und konnte schon bald eigenverantwortlich arbeiten.

Leider musste ich ihn wegen Alkohol und Respektlosigkeiten von Bord schicken.

Auf Grund seiner Ausbildung, konnte er im September bei einer mir gut bekannten Ausflugsreederei Arbeit

als Decksmann finden. SB. machte seine Arbeit zur größten Zufriedenheit seiner Arbeitgeber.

Bei einer Bewerbung für eine Lehrstelle zum Schiffsmechaniker, bekam er eine von

den drei ausgeschriebenen Lehrstellen (bei über 70 Bewerbungen)!

Wegen eines schweren Unfalls konnte er die Lehre im August 2005 nicht antreten.

SB. war im Januar-Februar 2005 und nach seiner Genesung von Oktober 2006 bis

Februar zeitweise wieder auf der Steenborg um seine Kenntnisse aufzufrischen.

Zurzeit versucht er Arbeit oder einen Ausbildungsplatz in der Binnenschifffahrt zu

finden. SB .meldet sich in regelmäßigen Abständen bei mir.

 

JF. 15 Jahre alt, vom 12.6. 2003 bis 23.8. 2003, 23. 2. 2004 bis 30.4. 2004 auf der Steenborg. 

Auch JF. kam von der Undine zu mir an Bord. Trotz starker Drogenabhängigkeit schaffte

er es über längere Zeit drogenfrei zu bleiben und bekam seine Seediensttauglichkeit.

Anschließend versuchte er seinen Schulabschluss bei Familie Busse, schaffte es dann aber doch nicht,

zog zu seiner Mutter, flog aus einer angefangenen Lehre, versuchte zweimal erfolglos einen Drogenentzug.

Im Herbst 2006 bat er mich um Hilfe, weil ihm wegen nicht Einhaltung von Bewährungsauflagen, Gefängnis drohte.

Ich konnte ihm auf einem Küstenmotorschiff bei einem Kollegen einen Platz für eine Kurzausbildung besorgen.

JF. schaffte es ein zweites mal ohne Therapie von den Drogen weg zu kommen, stabilisierte sich

und macht jetzt einen neuen Anlauf für einen Schulabschluss.

 

DW. 14 Jahre alt, vom 7.5.2004 bis zum 29.7.2004 auf der Steenborg. 

Für andere Jugendhilfeeinrichtungen untragbar geworden, kam er erst 14 jährig zu mir.

Er kannte so gut wie keine Grenzen und war äußerst respektlos.

Über seinen Bewegungsdrang, er war begeisterter und auch ein guter Fußballspieler,

gelang es mir sein Vertrauen zu gewinnen. Er durfte einige Tage in der Jugendherberge

Büsum wohnen und an einem  Fußballturnier teilnehmen.

Außerdem konnte DW. gut arbeiten, deshalb nahm ich ihn auch privat zu mir nach Hause,

wo er mir bei einem Containertransport half.

Nach seiner Stabilisierung kam zu Familie Busse, um seinen Schule zu beenden.

Dort musste er dann auch nach längerem Aufenthalt, wegen Respektlosigkeit gehen.

Er befindet sich jetzt auf Bewährung in einer geschlossenen Einrichtung in Süddeutschland.

DW. darf  auf eigenen Wunsch, wegen guter Führung im August für 14 Tage seiner Ferien auf der Steenborg fahren.

 

PP. 15 Jahre alt, war vom 16.4.2004  mit Unterbrechungen bis Julie 2006 auf der Steenborg.

Er war auf verschiedenen Förderschulen gewesen und hatte keinen Abschluss. Zuhause war er

einer der mittleren von 12 Kindern.

PP. hatte 10 Monate Vorbewährung  auf eine Haftstrafe von 2 ½ Jahren wegen Körperverletzung.

Entsprechend tendierte er zu kriminellen Aktivitäten vor allem zur Anwendung von Gewalt.

Zum Glück konnte er das Vertrauen einer meiner ghanesischen Decksleute gewinnen.

Der Einfluss dieses Decksmannes führte öfter dazu, dass er in kritischen Situationen

einlenkte, und somit einen Verweiß von der Steenborg verhinderte.

PP. hatte einen ausgeprägten Sinn für Sauberkeit, darum wurde ihm die Verantwortlichkeit

für den Wohnbereich übertragen. Sein Interesse an Decksarbeit war nicht sehr groß.

Sein Durchhaltevermögen auf diesem Gebiet war gering, doch in der Werftzeit des

Schiffes, konnte er sogar eine ganze Woche durchhalten!

Von Juni 2005 bis Juli 2006 konnte er die Ausbildung zum Wachbefähigten Decksmann

machen, auch den dazugehörigen Grundsicherheitslehrgang in Rostock absolvierte er erfolgreich.

Bei Aufenthalten auf meinem Pferdehof in Dänemark zeigten sich noch andere Stärken

von PP., er hatte große Lust an der Gartenarbeit und blieb zweimal für eine Woche bei meiner

Frau, die sehr gut mit ihm auskam. Außerdem half er mir mit Begeisterung bei dem Bau einer

neuen Scheune, hier zeigte sein sich handwerkliches Interesse! Seit dem ersten Dänemarkaufenthalt

 hatte er auch deutlich mehr Vertrauen zu mir.

Im Juni/Julie 2006 versuchte er in Büsum Arbeit zu finden und entwickelte dabei auch sehr

viel Eigeninitiative. Er verschaffte sich z.B. eine günstige Unterkunft. Zuletzt machte er ein

Praktikum mit der Möglichkeit, auf einer mir bekannten kleinen Werft in Büsum Arbeit zu bekommen.

Leider zeigte sich auch hier, dass er nicht genug Durchhaltevermögen hatte.

Außerdem wollte er sich nicht an die vorgegebenen Regeln seiner Unterkunft und an die Abmachungen mit mir halten.

Letztendlich musste ich deswegen meine Betreuung  Ende Juli 2006 aufgeben!

Hin und wieder höre ich noch von ihm, er hat auch den Wunsch geäußert, noch einmal auf

der Steenborg, oder bei mir Zuhause in Dänemark zu arbeiten, seine Bewährungszeit hat er erfolgreich beendet!

 

DW. 18 Jahre alt, 11.7. 2005 bis 31.3. 2007 bei mir in Betreuung. 

Der Frachtsegler Undine von Gangway hatte ihn für die Seefahrt motiviert. Er begann gleich

die Ausbildung zum Wachbefähigten Decksmann, die er Ende April 2006 erfolgreich abschloss.

Von Mitte April bis Mitte Juni absolvierte DW. zwei von mir vermittelte Praktika mit Aussicht auf

1. eine Lehrstelle zum Binnenschiffsmatrosen und 2. mit Aussicht auf eine Maschinenschlosserlehre.

Leider erwies er sich als noch nicht reif genug, um die nötigen die nötigen Anforderungen zu erfüllen.

Allerdings konnte er sich bei der Bundeswehr positiv darstellen, er bekam einen Einberufungstermin

zum Januar 2007. Um die Zeit zu überbrücken, versuchte er am Wohnort seines Vaters Arbeit zu finden.

Weil er keine richtige Arbeit fand und wegen Reibereien in der Familie, nahm er Anfang September

mein Angebot wieder auf der Steenborg zu fahren, gerne an!

Inzwischen hat DW. seine Grundausbildung erfolgreich abgeschlossen ist zum Gefreiten befördert

worden. Zur Zeit bemüht er sich um eine Lehrstelle, um später bei der Marine Zeitsoldat zu werden.

DW. hat auf der Steenborg ein zweites zu Hause gefunden, durch motiviertes Arbeiten konnte er

seine Aggressionen abbauen und sein Selbstvertrauen erheblich steigern. Ich konnte schnell

sein Vertrauen gewinnen und ihm dadurch mit Gesprächen in kritischen Lebenssituationen helfen.

Aktuell hat er seinen Wehrdienst um 14 Monate verlängern können. In dieser Zeit kann er auch ein

nautisches Patent in Rostock erwerben, welches auch nach der Bundeswehrzeit zivil anerkannt wird.

 

 

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Stand: 28. Januar 2008.

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